Château Ksara, Château Kefraya und Cave Kouroum im Porträt
Ein würziger Rotwein zu gegrilltem Lamm, ein frischer Weisswein zu Mezze oder eine gereifte Cuvée für einen besonderen Abend: Libanesische Weingüter bieten viele Möglichkeiten, Bekanntes neu zu entdecken. Château Ksara, Château Kefraya und Cave Kouroum zeigen dabei unterschiedliche Facetten derselben Weinlandschaft. Ihre Geschichten reichen von jesuitischer Pionierarbeit über den Aufbau eines Familienguts bis zur engen Zusammenarbeit mit den Traubenbauern einer Region.
Die Bekaa als gemeinsame Herkunft
Alle drei Erzeuger sind mit der Bekaa-Ebene verbunden, einer bedeutenden Weinregion im Landesinneren. Zwischen dem Libanongebirge und dem Antilibanon liegen hier Weinberge vielfach auf rund 1000 Metern Höhe. Sonnige Tage fördern die Reife, während kühlere Nächte helfen, die Frische der Trauben zu bewahren.
Der Weinbau im Libanon reicht bis in die Antike zurück. Die heutige Weinlandschaft verbindet diese lange Geschichte mit international bekannten Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Syrah und Chardonnay.
Die gemeinsame Herkunft bedeutet jedoch keinen einheitlichen Geschmack. Rebsorten, einzelne Lagen, Erntezeitpunkt und Ausbau prägen jeden Wein. Gerade deshalb lohnt sich der Vergleich konkreter Cuvées.
Château Ksara: historische Wurzeln und ein vielseitiges Sortiment
Château Ksara wurde 1857 von Jesuiten gegründet und gehört zu den Wegbereitern des modernen libanesischen Weinbaus. Der Ursprung liegt bei Zahlé in der Bekaa. Die Ordensgemeinschaft pflanzte französische Reben und entwickelte daraus einen Weinbaubetrieb, der weit über die Klostermauern hinaus Bedeutung gewann.
Ein besonderes Merkmal sind die 1898 entdeckten unterirdischen Gänge. Ihre gleichmässigen Lagerbedingungen machten sie für die Weinreifung wertvoll. 1973 ging das Unternehmen von den Jesuiten an private Investoren über.
Zugängliche Cuvées und kräftigere Rotweine
Einen guten Einstieg bietet die Réserve du Couvent aus Syrah, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc. Pflaumen, Cassis und rote Früchte gehören zu ihrem aromatischen Spektrum. Der runde, geschmeidige Stil macht sie zu einer vielseitigen Begleitung für herzhafte Gerichte.
Der Château Rouge verbindet Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot. Mit seinem Ausbau in französischer Eiche richtet er sich an Liebhaber körperreicher Rotweine mit dunkler Frucht und Holznoten.
Auch die Weissweine verdienen Aufmerksamkeit: Beim Blanc de Blancs treffen Sauvignon Blanc, Sémillon und Chardonnay aufeinander. Die Verbindung von Frische und Schmelz bietet einen anderen Zugang zum Haus.
Für das erste Kennenlernen empfiehlt sich die Réserve du Couvent zu Kafta, den würzigen libanesischen Hackfleischspiessen, oder zu einem Auberginengericht mit Tomaten.
Château Kefraya: die Kunst der Assemblage
Château Kefraya liegt in der westlichen Bekaa am Fuss des Barouk-Gebirges. Das Anwesen gehört seit Generationen zur Geschichte der Familie de Bustros. Michel de Bustros liess 1951 die ersten Reben pflanzen; 1979 begann das Gut, eigene Weine aus den Trauben seiner Weinberge zu erzeugen und im eigenen Keller auszubauen.
Die Weinberge umfassen unterschiedliche Böden und Höhenlagen. Diese Vielfalt liefert die Grundlage für die Assemblage: das gezielte Zusammenführen verschiedener Partien und Rebsorten zu einem Wein.
Von Les Bretèches bis Comte de M
Les Bretèches Rouge erschliesst die fruchtbetonte Seite des Guts. Cinsaut, Syrah und Cabernet Sauvignon ergeben einen Stil mit roten Früchten und feinen Gewürznoten. Dazu passen beispielsweise gegrilltes Gemüse oder ein unkompliziertes Essen mit mehreren kleinen Gerichten.
Der Château Kefraya Rouge bietet mehr Tiefe und Fassprägung. Er verbindet Kirschfrucht und Würze mit seidigen Gerbstoffen.
Eine besondere Stellung nimmt Comte de M ein. Cabernet Sauvignon und Syrah sowie ein längerer Ausbau in Eichenfässern prägen diese Cuvée. Dunkle Früchte und Zedernholz gehören zu ihrem aromatischen Profil. Wer konzentrierte Rotweine mag, kann sie zu langsam gegartem Lamm oder Rind probieren.
Cave Kouroum: aus der Verbundenheit mit den Weinbauern entstanden
Cave Kouroum wurde 1998 von Bassim Rahal im Dorf Kefraya gegründet. Die Entstehung ist eng mit den örtlichen Traubenbauern verbunden: Rahal kaufte Ernten auf, für die sich keine Abnehmer gefunden hatten, und legte damit den Grundstein für eine eigene Kellerei.
Der Betrieb verbindet moderne Kellertechnik mit traditionellen Verfahren. Trotz des gemeinsamen Ortsbezugs sind Cave Kouroum und Château Kefraya eigenständige Erzeuger mit jeweils eigener Geschichte und eigenem Sortiment.
Fruchtbetonte Einstiege und unterschiedliche Ausbauweisen
Ein anschauliches Beispiel ist Petit Noir. Beim Jahrgang 2020 vereint die Cuvée Syrah, Cabernet Sauvignon, Grenache Noir, Carignan und Cinsault. Der Erzeuger beschreibt einen runden Wein mit weichen Gerbstoffen, Beerenfrucht und würzigen Akzenten. Das macht ihn zu einer interessanten Wahl für den Einstieg, etwa zu gefülltem Gemüse oder Grillgerichten.
Daneben umfasst das Sortiment sortenreine Syrah- und Merlot-Weine sowie im Holz ausgebaute Cuvées wie Cuvée Bassim.
Dass Kraft nicht zwangsläufig vom Holzfass kommen muss, zeigt der Syrah Cabernet 2008: Laut Kellerei wurde er ohne Eichenholz ausgebaut. Sein Profil umfasst getrocknete dunkle Früchte, erdige Noten und geschmeidige Gerbstoffe. Solche Unterschiede machen Cave Kouroum für vergleichende Degustationen spannend.
Welche Flasche eignet sich zum Kennenlernen?
Die Wahl fällt leichter, wenn der Anlass feststeht. Für einen Abend mit verschiedenen Speisen bieten sich zunächst zugänglichere Rotweine an. Wer gezielt Fassreife, Konzentration und längere Entwicklung im Glas entdecken möchte, kann eine entsprechend ausgebaute Cuvée wählen.
Beim Einkauf in der Schweiz helfen drei Angaben besonders:
- Der vollständige Weinname: Ein Erzeuger bietet oft mehrere Rotweine mit deutlich unterschiedlichem Charakter an.
- Der Jahrgang: Rebsortenanteile, Ausbau und Geschmack können sich zwischen den Ernten verändern.
- Die Lagerung: Bei älteren Flaschen ist die bisherige Aufbewahrung ebenso wichtig wie das Alter auf dem Etikett.
Die Beschreibungen einzelner Jahrgänge lassen sich deshalb nicht unverändert auf jede Flasche übertragen. Ein Blick auf das passende technische Datenblatt oder eine Nachfrage beim Fachhandel schafft Klarheit.
Eine kleine Degustation zu Hause
Für einen ersten Vergleich können Sie Réserve du Couvent, Les Bretèches Rouge und Petit Noir nebeneinander probieren. Verwenden Sie ähnliche Gläser und schenken Sie zunächst kleine Mengen ein. Beginnen Sie mit dem Wein, der am leichtesten und frischesten wirkt.
Achten Sie auf drei Eindrücke: Wirkt die Frucht eher rotbeerig oder dunkel? Wie deutlich spüren Sie die Gerbstoffe am Zahnfleisch? Bleibt nach dem Schlucken vor allem Frucht, Würze oder Holz zurück?
Kräftigere Rotweine lassen sich meist bei etwa 16 bis 18 °C gut erkunden. Probieren Sie sie zuerst ohne Essen und anschliessend zu Kafta, gerösteten Auberginen oder einem Stück gereiftem Käse. Dabei lässt sich unmittelbar erleben, wie sich derselbe Wein mit jedem Bissen anders zeigt.