Libanesischen Wein richtig servieren und lagern
Ein kräftiger Rotwein aus der Bekaa-Ebene, ein duftiger Weisswein zu Mezze oder ein Rosé zum sommerlichen Abendessen: Libanesische Weine zeigen je nach Stil ganz unterschiedliche Facetten. Wie gut sie zur Geltung kommen, hängt auch von Temperatur, Glas und Luftkontakt ab. Wer libanesischen Wein servieren möchte, braucht dafür keine aufwendige Ausstattung. Ein paar gezielte Handgriffe machen bereits einen spürbaren Unterschied.
Die richtige Trinktemperatur für libanesischen Wein
Zu viel Wärme lässt vor allem den Alkohol hervortreten. Starke Kälte wiederum dämpft den Duft und kann Gerbstoffe im Rotwein härter erscheinen lassen. Entscheidend ist deshalb der Charakter der Flasche: Ein leichter, fruchtiger Wein braucht eine andere Temperatur als eine konzentrierte, im Holz ausgebaute Cuvée.
Diese Bereiche bieten eine gute Orientierung:
| Weinstil | Empfohlene Trinktemperatur |
|---|---|
| Junger, leichter Weisswein | 9–11 °C |
| Gehaltvoller, komplexer Weisswein | 11–13 °C |
| Frischer Rosé | 9–12 °C |
| Leichter, fruchtbetonter Rotwein | 14–16 °C |
| Kräftiger, strukturierter Rotwein | 16–18 °C |
Die häufig zitierte «Zimmertemperatur» ist in einer beheizten Schweizer Wohnung meist zu hoch. Auch ein kräftiger libanesischer Rotwein darf vor dem Essen kurz in den Kühlschrank. Etwa 20 bis 30 Minuten können ein sinnvoller Ausgangspunkt sein; die tatsächliche Abkühlung hängt von der Ausgangstemperatur ab.
Da sich Wein im Glas erwärmt, lässt er sich etwas kühler einschenken als mit der angestrebten Trinktemperatur. Lieber kleine Mengen nachgiessen und die Flasche zwischendurch kühl halten. Ein sehr kalter Weisswein gewinnt dagegen oft schon nach wenigen Minuten im Glas an Ausdruck. Zum Anwärmen genügt Geduld; Heizkörper und heisses Wasser sind ungeeignet.
Welche Gläser passen?
Ein dünnwandiges Universalglas mit Stiel und leicht nach innen zulaufendem Kelch ist für viele Weinstile eine gute Wahl. Es bietet Platz zum Schwenken und bündelt den Duft. Eine eigene Glasserie für jede Rebsorte ist für den Genuss zu Hause kaum nötig.
Für kräftige Rotweine eignet sich ein etwas grösserer Kelch. Weisswein und Rosé lassen sich gut aus kleineren bis mittelgrossen Gläsern trinken, in denen überschaubare Portionen länger kühl bleiben.
Füllen Sie das Glas ungefähr zu einem Drittel. So bleibt genügend Raum, um die Aromen wahrzunehmen. Das Glas sollte sauber und frei von Spülmittel- oder Schrankgerüchen sein. Halten Sie es am Stiel, damit sich der Wein durch die Hand nicht zusätzlich erwärmt.
Dekantieren: Wann Luft hilft
Beim Umfüllen in eine Karaffe geht es um zwei verschiedene Dinge: Ein junger Wein erhält mehr Luftkontakt, oder ein gereifter Wein wird von seinem Bodensatz getrennt. Dafür sind unterschiedliche Vorgehensweisen sinnvoll.
Junge, kräftige Rotweine belüften
Wirkt ein junger Rotwein zunächst verschlossen und wenig ausdrucksvoll, kann Luft helfen. Das gilt beispielsweise für manche konzentrierten libanesischen Cuvées.
Probieren Sie zuerst einen kleinen Schluck. Anschliessend können Sie den Wein in eine bauchige Karaffe geben und nach etwa 30 Minuten erneut kosten. Bei manchen Flaschen lohnt sich mehr Zeit, andere sind bereits direkt nach dem Öffnen zugänglich. Eine feste Belüftungsdauer für alle libanesischen Rotweine wäre deshalb wenig hilfreich.
Auch ein gehaltvoller Weisswein kann von etwas Luft profitieren. Beginnen Sie hier mit Schwenken und Abwarten im Glas.
Gereifte Weine vorsichtig behandeln
Ältere Rotweine können ein Depot bilden. Stellen Sie die Flasche möglichst am Vortag aufrecht, damit sich der Bodensatz sammelt. Giessen Sie den Wein anschliessend langsam und bei guter Beleuchtung um. Sobald das Depot den Flaschenhals erreicht, hören Sie auf.
Bei empfindlichen, gereiften Weinen empfiehlt sich eine schmale Karaffe und das Umfüllen kurz vor dem Servieren. Langer Luftkontakt kann ihre feinen Aromen rasch verblassen lassen.
Wein lagern: kühl, dunkel und möglichst gleichmässig
Zum längerfristigen Aufbewahren eignet sich ein dunkler Ort mit möglichst stabilen Temperaturen. Rund 10 bis 12 °C sind ein guter Richtwert, wie auch die Hinweise des Deutschen Weininstituts zur Weinlagerung erläutern.
Prüfen Sie einen Kellerplatz auch im Sommer: Ein Raum, der im Winter angenehm kühl ist, kann sich während warmer Wochen deutlich aufheizen. Dauerhafte Wärme, Sonnenlicht und starke Temperaturschwankungen beschleunigen die Entwicklung des Weins.
Für die Praxis gilt:
- Naturkork: Für eine Lagerung über mehrere Jahre Flaschen liegend aufbewahren.
- Schraubverschluss: Die Flaschen können stehend gelagert werden.
- Standort: Abstand zu Heizungen, Waschmaschinen und stark riechenden Stoffen halten.
- Kühlschrank: Gut zum Kühlen und kurzfristigen Aufbewahren; für jahrelange Reifung ist ein geeigneter Weinklimaschrank besser geeignet.
Welche Flaschen dürfen länger reifen?
Frische Weissweine und Rosés bereiten häufig jung besonders viel Freude. Strukturierte Rotweine können von Flaschenreife profitieren. Herkunft, dunkle Farbe oder ein hoher Preis allein sagen jedoch wenig über das Lagerpotenzial aus.
Wer Wein lagern möchte, sollte die Empfehlung des jeweiligen Weinguts für den konkreten Wein und Jahrgang beachten. Bei mehreren gleichen Flaschen lohnt es sich, eine früher zu öffnen und die Entwicklung zu verfolgen.
Angebrochene Flaschen möglichst gut aufbewahren
Nach dem Öffnen verändert Sauerstoff den Wein zunehmend. Verschliessen Sie die Flasche deshalb bald wieder und stellen Sie sie aufrecht in den Kühlschrank. Das gilt auch für Rotwein: Kühle verlangsamt die Entwicklung nach dem Öffnen.
Als Orientierung für gute Genussqualität gelten:
- Weisswein und Rosé: häufig noch zwei bis drei Tage.
- Kräftiger Rotwein: oft drei bis fünf Tage.
- Empfindlicher, lange gereifter Wein: möglichst am selben Abend geniessen.
Je weniger Wein in der Flasche bleibt, desto mehr Luft steht ihm gegenüber. Einen kleinen Rest können Sie zeitnah in eine saubere, kleinere Glasflasche mit dichtem Verschluss umfüllen. Bereits oxidierter Wein wird dadurch allerdings nicht wieder frisch.
Nehmen Sie gekühlten Rotwein vor dem nächsten Einschenken rechtzeitig heraus und lassen Sie ihn langsam seine Trinktemperatur erreichen. Probieren Sie zunächst eine kleine Menge: Deutlich verblasste Frucht oder ein neu auftretender Essigton zeigen, dass der Wein seinen besten Zustand hinter sich hat. Das Öffnungsdatum auf einem kleinen Etikett hilft, angebrochene Flaschen im Blick zu behalten.